„Den 60er feiern is´ fad, da möcht ich lieber eine schöne Primzahl würdigen.“ Unter diesem Motto hatte Alex Miksch am 12. März dieses Jahres zu seinem 59. Geburtstag geladen.
Gefeiert wurde typgerecht. Musiker-Freundinnen und Freunde waren gekommen, um mit ihm gemeinsam zu spielen, zu singen und dabei auch Lieder des neuen Albums „Wo der Mond wohnt“ vorzustellen. Dieses Album wird das mittlerweile Achte aus der Feder von Alex Miksch sein, die Lieder darauf sind in unterschiedlichen Kooperationen eingespielt worden und es wartet auf die letzten Produktionsschritte.
Wer Alex Miksch live gesehen und gehört hat, weiß, was ich meine, wenn ich von ansteckender Freude bei seinen Auftritten erzähle. Freude, die einem Menschen entspringt, der sich der Musik und speziell den Gitarren verschrieben hat und das mit beharrlicher Konsequenz lebt.
Der Musiker Alex Miksch im Gespräch mit Fritz Schandl
„Den 60er feiern is´ fad, da möcht ich lieber eine schöne Primzahl würdigen.“ Unter diesem Motto hatte Alex Miksch am 12. März dieses Jahres zu seinem 59. Geburtstag geladen.
Gefeiert wurde typgerecht. Musiker-Freundinnen und Freunde waren gekommen, um mit ihm gemeinsam zu spielen, zu singen und dabei auch Lieder des neuen Albums „Wo der Mond wohnt“ vorzustellen. Dieses Album wird das mittlerweile Achte aus der Feder von Alex Miksch sein, die Lieder darauf sind in unterschiedlichen Kooperationen eingespielt worden und es wartet auf die letzten Produktionsschritte.
Wer Alex Miksch live gesehen und gehört hat, weiß, was ich meine, wenn ich von ansteckender Freude bei seinen Auftritten erzähle. Freude, die einem Menschen entspringt, der sich der Musik und speziell den Gitarren verschrieben hat und das mit beharrlicher Konsequenz lebt.
Wie war das bei dir mit der Musik? Ist die dir zugefallen, oder war das eine bewusste Entscheidung?
Naja, die Musik ist mir doch eher irgendwie passiert, aber die Gitarre war eine bewusste Entscheidung. Ich habe mich in die Gitarren verknallt, weil ich mir gedacht habe, alle sind deppert, da spiel ich lieber Gitarre.
Wann hast du mit dem Gitarrespielen angefangen?
Mit 12 hab ich es mir eingebildet. Da habe ich mir die Nylonsaitengitarre von der Mama hergenommen und tausend Pickerl draufgepickt. So mit 13, 14 haben wir uns dann mit Freunden getroffen und gejammt. Ich hab dann angefangen Themen zu schreiben.
Heute sind Eltern oft gleich begeistert, wenn ihre Kinder ein Instrument lernen wollen. Wie war das bei dir?
Naja, mir haben sie das Singen verboten. Dann haben sie gesagt, ich bin unmusikalisch. Und mein Vater hat sowieso gesagt, dass das ein Blödsinn ist, was ich mach. Also ich soll was Gscheites machen. Der Vater hat gesagt, geh zur Post oder zur Bundesbahn, das ist ein sicherer Job.
Aber ich bin ziemlich trotzig.
Du hast dir das Gitarrespielen dann autodidaktisch angeeignet?
Ich hab mit vielen Leuten irgendwie gespielt, mir was abgeschaut, oder die haben mir was gezeigt und ich hab weitergemacht. Und nachdem sie mir dann gesagt haben, dass ich nicht so musikalisch bin, habe ich mir gedacht, na gut, ich mach eigene Sachen, da kann mir keiner sagen, wie es gehört.
Wer hat dir gesagt, du bist unmusikalisch?
In der Schule, im Musikunterricht, in der Volksschule schon. Beim Tag der offenen Tür da war so eine Generalprobe. Wahrscheinlich war ich halt voll nervös. Da hat es gleich geheißen, ich darf nicht mitsingen. Das war schon irgendwie eine komische Erfahrung.
So ist das dann weitergegangen. Bei den Bands haben sie auch gemeint, die Nummern sind eh gut, die du schreibst und jetzt suchen wir uns einen Sänger. Bei Faust [Anm.: Band aus Krems, bestehend von 1994-1999] war das wahrscheinlich eh gscheid für den Stil. Das wär eh nicht meines gewesen.
Irgendwann war es nicht mehr so, dass du dich mit den Haberern im Proberaum triffst, sondern jeder hat Familie und es geht sich alles nicht mehr aus. Da habe ich mir gedacht, okay, dann mach ich das jetzt selber.
In Tulln, da hab ich einmal im Monat im Friedhofscafé gespielt, habens zu mir gesagt: „ Alex, wir hören dir voll gerne beim Gitarrespielen zu, aber bitte sing ned!“
Mittlerweile hat sich das ein bisschen geändert.
Also, deine Band-Geschichten hast du hinter dir gelassen und im eigenen Namen weitergemacht ?
Es ist mir nichts anderes übrig geblieben. Wenn ich spielen wollte, dann musste ich das machen. Die erste Platte habe ich 2006 im Waldviertel aufgenommen, das war „König der Kröten“.
Das unterscheidet dich von manchen anderen, dass du dich voll und ganz auf die Musik eingelassen hast.
Hast du einmal die Idee gehabt, einen anderen Beruf zu machen, neben der Musik?
Ich wollte schon von klein auf nie in die Schule gehen, ich wollte nie pünktlich wo sein und ich wollte nie jeden Tag aufstehen. Und das geht sich mit dem Gitarrespielen halt schon aus. Wenn du jeden Tag um 8 Uhr wo antreten musst, geht das nicht so.
Und nachdem mir nie eine Partnerin, mit der das irgendwie funktioniert hätte, passiert ist, hat sich das einfach nie so ergeben, dass es dann anders geworden wäre oder dass sich die Frage gestellt hätte.
Auf deinem letzten Album, „krems“, sind stark familienbiographische Lieder.
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hätte dein Papa für sich selbst eigentlich einen ganz anderen Lebensplan gehabt, als Hausbesitzer in Krems zu sein.
Weißt du, was er für Lebensentwürfe für sich gehabt hätte?
Also, er wollte eigentlich nach Südamerika in die Entwicklungshilfe als Schneidermeister gehen. Er war der jüngste Schneidermeister Niederösterreichs. Er ist dafür nach Cuxhafen und wollte aufs Schiff.
Mit dem Ziel auszuwandern und sich dort eine neue Existenz zu gründen?
Ja, und der Großvater hat dann, so hab ich das erzählt bekommen, gemeint, wenn er jetzt nicht heimkommt, würde er ihn nie wieder lebend sehen. Und dann ist er halt von Cuxhaven, kurz bevor er von dort aufgebrochen wäre, wieder nach Krems. Da hat er meine Mama kennengelernt. Meiner Mama hat er leid getan. Aber in Wahrheit hat er eigentlich nur gesoffen in Krems.
Hast du das Gefühl gehabt, dass dir die Musik so taugt, haben deine Eltern irgendwann akzeptiert? Du sagst, beide Eltern hätten sich gewünscht, dass du einen soliden Job machst.
Meine Eltern haben sich scheiden lassen, da war ich ungefähr 14. Ich musste dann beim Vater bleiben, meine Schwester ist zur Mutter gekommen. Weil die Wohnung von der Mutter so klein war. Aber das war für mich mit 14, 15 irgendwie schon lustig. Der Vater war unterwegs saufen und ich war halt auch unterwegs. Freies Krems!
Das Problem war was anderes. Es hat geheißen: Mach die Aufnahmeprüfung für eine Schule. Wenn es dir nicht taugt, kannst du ja aufhören. Ich wollte nie in diese depperte Schule gehen.
Wenn ich dann am Wochenende heimgekommen bin, bin ich gleich in den Proberaum. Da hab ich den Samstag verbracht und in der Nacht waren wir unterwegs.
Und am Sonntag, bevor ich raufgefahren bin, ist er dagesessen, hat über die Mama geschimpft und hat gemeint, er hat nur mehr einen Grund zum Leben, wenn ich die Schule durchziehe. Das war irgendwie das Schlimmste.
Was für eine Schule war das?
Uhrmacherschule in Karlstein. So ein neuer Zweig, Mikromechanik.
Die Schule hab ich gemacht. Aber ich bin keinen einzigen Feiertag oben geblieben, da bin ich runtergestoppt nach Krems.
Aber das hilft dir jetzt beim Gitarrenbau, oder? Feinmechanik?
Ja, diese Grundlagen mit Metallverarbeitung. Aber das ganze Internat, die Zeit war einfach nur beschissen.
Wie ich fertig war, hab ich mir gedacht, da ist nichts mehr über von mir. Zeichnen hab ich aufgegeben durch das technische Zeichnen und eigentlich wollte ich ja Zeichner werden. Beim technischen Zeichnen, da sitzt du stundenlang-… So muss die Linie sein, diese Strichstärke… Am Anfang hab ich dann eh noch, wie ich fast fertig war, angefangen Augen und Münder da reinzuzeichnen. Mit dem Ergebnis, dass ich dann die ganze Nacht gesessen bin und noch einmal von Neuem anfangen hab müssen. Diese Phase des Wehrens hat nicht lange gedauert.
Als du mit der Schule fertig warst, hattest du da vor, irgendetwas weiterzumachen damit?
Ich hab genau gewusst, das werde ich nie machen. Mein Vater hat mich aufs AMS geschickt, wie ich fertig war. Ich komm rein und die Frau dort fragt mich, was ich denn eigentlich für einen Beruf habe.
Ich sag: „Ich bin Mikromechaniker.“ Dann fragt sie mich: „Was ist das?“ Und ich sag: „Ich weiß es auch nicht.“
Metallverarbeitung, Tausendstel-Millimeter drehen und fräsen und so ein Ding halt. Wurscht, ich werd das eh nie machen.
Und dann kommt die Geschichte von dem Haus in der Göglstraße. Das hat deinem Vater gehört und ihr habt dort gewohnt. Wann wäre das in deine Verantwortung übergeben worden?
Das wurde. Und das war eine ziemliche Überforderung, weil es ja desolat war.
Mein Vater ist gestorben, da war ich 27. Das war zu der Zeit, wie die Platte unserer Band Faust rausgekommen ist. Kurz danach ist dann der Vater gestorben.
Die Mutter ist ja schon 7 Jahre vorher gestorben, innerhalb von einem Jahr nach der Scheidung haben beide Krebs gehabt. Das war schon sehr eigenartig. Und dann war halt meine Theorie, wenn du dauernd nur was reinfrisst, frisst es dich von innen auf.
Du hast das Haus geerbt und das war ein ziemliches Desaster.
Mein Vater hat mir nie gezeigt, wie man mit so einem Haus umgeht.
Schulden waren drauf, wie ich‘s geerbt hab, das war nicht zum Erhalten. Das ist ein Zinshaus in Krems. Eine riesige Bude. Hausverwaltung ist sich keine ausgegangen bei den paar Mieteinnahmen, die das hat. Es war schwer sanierungsbedürftig.
Und selber, wenn du kein Geld hast, kannst du kein Geld machen. Das ist einfach so.
Und was ist dann schlussendlich passiert?
Wir haben es verkauft. Ich habe ja schon eine Zeit lang, zwar nicht unbedingt auf Kosten des Hauses gelebt, aber ich habe halt auch keine Miete gezahlt und ich habe halt immer Kredit gekriegt auf der Bank. Dann haben wir das Haus verkauft und haben die Schulden, die drauf waren, und das waren einige, abgezahlt.
Ich bin dann mit meinem Teil nach Los Angeles, um die zweite Faust-Platte dort zu machen, und habe die ganze Kohle, die ich noch gehabt habe, verblasen- in ein Projekt, das nie fertig geworden ist und nie passiert ist.
Also, vom Hausbesitzer war ich dann ein Obdachloser in Krems.
Beim Zurückkommen war das Haus weg und du warst obdachlos?
Ich war halt irgendwo auf Couchen unterwegs in Krems. Beim Lanser Gert hab ich zum Beispiel gewohnt, drei Monate auf der Veranda. Ja, und dann bin ich in der finstersten Gasse von Krems gelandet, in der Lederergasse. So dicke Mauern und Gitterstäbe vor den Fenstern, eine undichte Tür und feucht.
War damals dein Gedanke, dass du dich mit Musik durchschlagen kannst? Wie war das damals bei Konzerten, ist da was übergeblieben?
Es ist sich nie wirklich ausgegangen. Ich hab ja auch 10 Jahre in einer Musikschule unterrichtet, in Tulln.
Das hat sich dann auch aufgehört. Ich war eh ms4, das heißt, wenn du Autodidakt bist, ist das die letzte Gehaltsklasse, da verdienst du die Hälfte von jedem anderen. Dann wollte das Land Niederösterreich von jedem Musikschullehrer ein Lehrbefähigungszeugnis und einen Staatsbürgerschaftsnachweis haben. Das war gerade am Anfang der Ferien und ich rufe die Sekretärin an, ich hab keinen Zettel, ich habe keine Ausbildung. Dann sind sie mir zugestiegen, dass ich die Ausbildung nachmache, was bedeutet hätte, drei Jahre Mindeststudium am IGP.
Ich habe 500 Euro verdient, habe 350 Euro Miete gezahlt und das Studium hätte mich auch 300 Euro gekostet. Also, wie soll das gehen?
Dann bin ich aufs AMS und hab denen gesagt, ich habe einen pragmatisierten Job bei der Stadtgemeinde Tulln und ich muss nur diesen Zettel nachmachen, ob die das irgendwie unterstützen. – Nein, keine Chance.
Dann habe ich mir gedacht, na gut, dann werde ich halt in Beisln spielen.
Ich bin nach Wien, habe niemanden gekannt. Die Wohnung war eine ziemlich mühsame Geschichte. Der Küchenboden ist eingebrochen, das war eine katastrophale Wohnung. Das Billini [Anm.: Pizzeria im 9. Wiener Bezirk] habe ich dann auch entdeckt. So bin ich jeden Tag um 5 Uhr im Billini gewesen und hab dort auch zum Spielen angefangen. Da spiel ich nach wie vor noch, das ist immer ganz cool.
Was ich bei deinen Konzerten erlebe, ist, dass es für die Beteiligten urschön ist. Der Orges Toce hat eine richtige Hetz, wenn er mit dir spielt. Das spürt man, das kommt rüber.
Die Anna Anderluh wieder, da merkt man, die ist einfach wahnsinnig gern mit dir auf der Bühne.
Erstaunlicherweise, weil die Anna kommt ja von der Klassik und vom Jazz, die hat das alles studiert. Und ich bin halt doch so ein Bluesrocker. Wir sind auch gute Freunde. Es ist schade, dass wir kaum zum Spielen kommen, weil die so eingeteilt ist.
Mit der Bookerin, der Ines, hat das ganz gut hingehauen, weil die längerfristig geplant hat und voll dahinter war.
Aber ich kann das nicht, ich bin kein Verkäufer. Ich komme mir da komisch vor, wenn ich mit Veranstaltern herumtue und da sind Absagen, dann denke ich mir gleich, okay, so mag ich das eh nicht. Ich bin da nicht sehr gut.
Und die Ines hast du jetzt nicht mehr als Bookerin?
Nein, die hat die Agentur aufgeben. Es ist schwierig, sich zu etablieren als Agentur. Das ist genauso wie als Künstler. Weil es gibt die Platzhirschen, die sind halt da. Wir sind in Österreich, die Musikbranche ist in Wahrheit genauso wie die Baubranche, bis du da einmal reinkommst…
Bei dir sticht hervor, wie du mit den unterschiedlichsten Kooperationen auftrittst und spielst, wie jetzt auch für dein neues Album.
Ich habe ja eigentlich nie wirklich eine fixe Band. Ich mein, ich habe jetzt schon meine Stammleute mit denen ich spiele. Je nachdem, welche Gage drinnen ist und wie groß das ist. Im Porgy haben wir wieder einmal zu fünft gespielt, heuer im Februar. Ein sehr cooles Video gibt es da, mit dem Orges und dem Andi Lechner.
Und jetzt mache ich ja in Albrechts Bücherlager, das ist ein voll netter Kulturverein, da mache ich jeden dritten Donnerstag im Monat immer mit wem anderen einen Abend. Morgen spiele ich mit der Anja Wiesinger.
Beim Krems Album hat die Jelena Popržan mitgespielt und die Anna. Ich spiel schon immer mit Leuten, wo ich erstaunt bin, dass die mit mir spielen wollen.
Oder beim Lechner Otto, das hat auch Spaß gemacht. Und dann denke ich mir, naja, ist auch blöd, wenn ich jetzt aufhör. Der Lechner spielt nicht mit jedem.
Wie schlägst du dich finanziell durch? Wie geht es sich aus?
Ich kriege Mindestpension. Meine Pension sind 312 Euro und der Rest ist Ausgleichszulage. Ich hab den Status Frühpension aufgrund von Arbeitsunfähigkeit mit Depression und Panikattacken , die sind jetzt auch gekommen nach dem Corona-Ding und Bluthochdruck nach der Impfung. Ich weiß nicht, ob es mit der Impfung zusammenhängt, die Ärzte meinen, nein, das gibt es nicht. Ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, dass es schon damit zu tun hat. Und dann sind diese Panikattacken aufgetaucht.
Kurz vor Corona habe ich eine Reha bewilligt gekriegt aufgrund meines psychiatrischen Attests. Dann musste ich zum Grünen Kreuz in eine Therapie gehen. Fragt mich die Therapeutin: „Wie geht es Ihnen?“ Sage ich: „Naja, ich hab nichts zu tun, Corona, ich komme nicht zum Spielen.“ „Na dann bewerben Sie sich bei den U-Bahn-Stars.“ Ich hab zu ihr gesagt: „Wissen Sie, wer ich bin? Meine Platten werden auf Ö1 gespielt. Mein Ding ist jetzt nicht so das Passende für Fußgänger, die vorbeigehen. Das ist nicht meine Form der Musik.“ – „Naja, wenn Sie so beratungsresistent sind!“
Ich finde das sehr ignorant. Was du machst, ist ein total wichtiger Beitrag für die Gesellschaft. Bei deinen Konzerten sitzen Menschen drinnen, die danach glücklich rausgehen. Die sind genährt für mehrere Tage. Das muss doch einen Status haben können.
Wenn du jetzt einen Wunsch frei hättest an die Gesetzgebung, der Künstlern hilft, den Beruf auszuüben, dem nachzugehen ohne Druck, was wäre das?
In Irland haben sie jetzt das bedingungslose Grundeinkommen für Künstler eingeführt. Was eigentlich schon ziemlich cool ist, weil es auch die einzige Möglichkeit ist. Das würde bei uns auch gehören- je nach Einkommen. Dass der Ambros das jetzt nicht braucht, ist klar, der hat eh genug Tantiemen oder Kohle von der AKM.
Es gibt einige, die es gut geschafft haben, aber viele, die halt nicht.
Wenn du heute deinem jugendlichen Ich, mit 20 oder 21, gegenüber sitzen würdest, was würdest du dir selber für einen Tipp geben?
Weniger rauchen, weniger saufen vielleicht. Aber, ich mein, es passt schon, wie es ist.
Ich war in dieser Lockdown-Zeit, wo ich nur allein war, eigentlich sehr froh, dass ich mich so trotzig für die Gitarre entschieden habe, weil sonst hätte ich echt nicht gewusst, was ich tue.
Der Lockdown war schon sehr beklemmend da in Wien, allein in einer finsteren Bude mit nix und niemandem. Dann hab ich mir den Haxen gebrochen. Ich hab mir gedacht, das ist eine Verstauchung. Ich bin nicht ins Krankenhaus, das wollte ich nicht zu Corona. Dann hab ich mir gedacht, naja, 2 Monate dauert das… es waren 5 oder 6 Monate, wo ich nur im Finsteren gelegen bin allein. Und dann hab ich mir Gitarrenbausätze bestellt.
Ich war schon oft sehr froh, dass ich meine Ruder hab. Ich schau sie gerne an, ich bastle gerne dran herum.
Hat es einen Sinn, welche zu bauen und zu verkaufen oder ist das dann eher eine Liebhaberei?
In Österreich brauchst du, wenn du es machen willst, einen Gewerbeschein. Du musst Instrumentenbauer sein, wenn du es offiziell machen willst. Das bringt ja nichts. Es gibt so viele Billigruder aus China oder Japan, die die Leute kaufen, weil „Fender“ obensteht.
Die Teile, die ich verwende, auch wenn ich nur einzelne Trümmer kaufe, kommen auf über 1.000 Euro, einfach nur Material. Dann geht es ums Lackieren, ums Zusammenbauen, ums Zusammenschrauben, ums Einstellen, um alles eigentlich.
Dafür sind die Gitarren halt schon anders als irgendwelche Standardgitarren. Ich habe auch keine Werkstatt. Ich mache das alles in meiner Wohnung.
Das macht keinen Sinn, was zu verkaufen. Ich mache die für mich, weil es mich interessiert, wie sie klingen oder was sich tut, wenn ich das eine verwende oder das andere.
Es ist immer erstaunlich, wenn du die Hälse bei den Gitarren umschraubst, was sich dann tut. Das finde ich spannend.
Immer auf der Suche nach dem idealen Sound!

