schönes vermehren, Edition Eigenfarben

Schönes Vermehren

„Du schreibst? Du fotografierst? Du hast seit Jahren Kurzgeschichten in der Schublade, oder gar einen Roman, oder ein künstlerisches Fotobuch? Du hast manchmal den Impuls, deine Werke zu veröffentlichen, aber Du weißt nicht recht, wo anfangen? Genau dafür – nämlich um dich beim Eigenverlag deines Erstlings zu unterstützen – haben wir den Verein Eigenfarben gegründet.“ 

„Wir“- das sind Franz Josef Gaugg, Gert Lanser und Rainer Wisiak. Die oben angeführte Einladung ist der Homepage von „Eigenfarben“ entnommen und spricht für sich. Die drei haben die feste Überzeugung, dass viele Menschen Ideen, Gedanken und Worte haben, die es wert sind, erhalten und weiterverbreitet zu werden und das unterstützen sie mit großer Freude.

Franz Josef Gaugg und Rainer Wisiak im Interview mit Fritz Schandl

Fritz:  Ihr habt den Verlag mit der Herausgabe von 3 Büchern begonnen, dabei war jeweils eines von euch und das sind beides sehr persönliche Bücher. Franz Josef, bei deinem teilst du Szenen aus deinem Familienalltag, in denen sich LeserInnen auch selbst finden können. Rainer, dein Buch liest sich als Familienbiographie. Ich kenne aber auch andere, eher fachliche Texte von euch. 

Was treibt euch denn eigentlich zum 

Schreiben an? Was ist eure Motivation Texte zu verfassen und wie hat diese begonnen?

Franz Josef:  Zunächst möchte ich vorausschicken: Wir sind kein Verlag, sondern wir unterstützen AutorInnen beim Eigenverlag.

Ich bin ins Schreiben durch eine Redaktionssitzung des freigeist hineingestolpert. Interessehalber habe ich mich für einen Textbeitrag gemeldet. Mit diesem, einer Weihnachtsgeschichte, habe ich angefangen und dann irgendwann kam das erste „eh normal“. Das war kein bewusster Akt, sondern ich habe mir gedacht, ich probier es einmal. Ich habe gemerkt, es macht mir Freude, auf diese Weise meine Gedanken zu sammeln. Das hat für mich auch den Wert gehabt, auf diese Art das Familienleben von uns, über das ich im „eh normal“ geschrieben habe, zu dokumentieren- auf pointierte, satirische Weise. Das hat mir Spaß gemacht. Also eigentlich ist es Freude, die mich animiert hat.

Fritz:  Vorher hast du nicht geschrieben?

Franz Josef:   Naja, wenn ich so drüber nachdenke- ich habe schon während des Studiums Texte verfasst. Also man kann sagen, das Schreiben war seit der Matura immer da und ist durch den freigeist wieder geweckt worden.

Rainer:   Das Schreiben ist bei mir schon lange da. Ich hab noch alle Gedichte, die ich mit 17 geschrieben habe – die werden aber nicht veröffentlicht. 🙂  Seitdem ich in Wien zu studieren begonnen hatte, führe ich Tagebuch, das Schreiben hat mich somit immer begleitet, in vielerlei Form. Aber es ist bis vor ein paar Jahren nie etwas publik geworden.

Mir ging es so wie dir, Franz Josef – mich „heraus zu trauen“, um mich zu zeigen, hat für mich erst mit der Mitarbeit beim freigeist begonnen. Das war schön zu erleben, wie über Geschriebenes Kontakte oder ein Austausch oder Gespräche entstanden sind. Es ist die Qualität des Austausches dazugekommen. Die hat mir dann wahnsinnig gut gefallen und auch sehr Spaß gemacht und so sehe ich es mit allem Geschriebenen und was jetzt passiert: Die Freude ist immer dabei. Das ist die Hauptantriebsfeder und Kraft.

Fritz:  Gert Lanser, mit dem ihr Eigenfarben begründet habt und betreibt, kennt ihr auch durch die freigeist Arbeit oder schon von früher?

Franz Josef:   Ich kenne ihn durch die Lernwerkstatt und den freigeist. Der Gert hat das freigeist-Layout in der Form, wie es auch heute noch ist kreiert und ich bin als Lernwerkstatt-Elternteil zur Mitarbeit im Layout gekommen.

Fritz:  Wann ist der Gedanke entstanden, den Verein Eigenfarben, du sagst ja, ihr seid kein Verlag, sondern ein Verein, zu gründen und warum habt ihr das eigentlich auf Vereinsbasis gemacht?

Rainer:   Weil es in der Form, wie wir im Moment mit den Autoren und Autorinnen Bücher herausgeben, die unkomplizierteste Konstruktion ist – organisatorisch gesehen.

Franz Josef:   Eigentlich bräuchten wir überhaupt keine besondere rechtliche Konstruktion, uns war es aber wichtig, irgendeine Form zu finden, die nicht rein privat ist. Eine echte Unternehmensform erschien uns überzogen, so haben wir die Form Verein gewählt.

Fritz:  Könnt ihr beschreiben, was die Zielsetzung oder der ideelle Gedanke von Eigenfarben ist?

Franz Josef:   Der Rainer kann das so gut anhand dessen erklären, wie unser eigentlicher Vereinsnamen lautet.

Rainer:   „Verein zur Förderung publizistischer Kleinode“. Immer wieder haben wir festgestellt: Es gibt sehr viel Schönes, schön Geschriebenes, sehr eindrücklich oder persönlich berührend Geschriebenes.

Ich habe einmal versucht, mit Manuskripten in renommierte Verlage hineinzukommen und festgestellt: Das ist wirklich eine ganz schwierige Sache. Es scheint sich manchmal fast um einen Zufallsmoment oder Vitamin B oder vielleicht auch um glückliche Umstände zu handeln, dass du mit einem Manuskript bei einem renommierten Verlag landest und so schafft viel Geschriebenes, das eigentlich wunderbar ist, diese Hürde nicht. Deshalb entstand die Idee, da ein wenig „nachzuhelfen“ – und so steht es auch auf der Website, „Wir möchten Mut machen zur eigenen Sprache, zum eigenen Ausdruck, um Schönes zu vermehren.“

Autorinnen und Autoren, die ein Erstlingswerk haben und mit dem gerne an die Öffentlichkeit gehen würden – oder es auch nur für sich gedruckt sehen wollen – möchten wir die Möglichkeit geben, letztendlich ein Buch in der Hand zu haben.

Franz Josef:   Es soll Mut machen, die eigene Sprache zu finden, sich auszudrücken und es auch für andere nachvollziehbar zu machen, nicht nur für das eigene Nachtkasterl oder Schubladerl zu produzieren. Wir wollen dafür ein niederschwelliges Angebot bieten, nicht nur für das Erstlingswerk, es kann auch das fünfte Werk sein, völlig egal.

Fritz:  Habt ihr eine bestimmte Zielgruppe, an die ihr bei der Gründung gedacht habt oder die euch jetzt gerade interessieren würde?

Franz Josef:   Nein, gar nicht. Jeder, der Lust drauf hat, kann bei uns anfragen. Der Punkt ist eher, ob uns das dann auch interessiert. Wir haben beschränkte Kapazitäten, so etwa 3 bis 5 Bücher im Jahr.

Fritz:  Es ist ja auch nebenberufliche, ehrenamtliche Arbeit für euch.

Rainer:   Genau, es basiert eben auf Ehrenamt. Und: Letztlich über „Qualität“ zu entscheiden, ist sowieso wahnsinnig schwierig. Wer bestimmt, was Qualität ist, welches Manuskript es wert ist, in Buchform zu erscheinen? 

Fritz:  Wenn ihr ein Manuskript bekommt, wie ist euer Vorgehen? Ist es auch schon passiert, dass ihr etwas ablehnt?

Franz Josef:   Es kommt zu uns, dann gibt jeder einmal sein Statement dazu ab, ich könnte mich nicht erinnern, dass wir je etwas einhellig abgelehnt hätten.

Rainer:   Unlängst hat jemand einen Text bei uns eingereicht, da hatten wir das Gefühl: Das ist ein Performance-Stück, das passt nicht in eine Buchform. Es wäre aber als Bühnentext mit Regieanweisungen machbar.

Franz Josef:   Wir konnten das nicht einordnen, aber Gert hat mit der Autorin Kontakt aufgenommen, es gibt weitere Gespräche und es zeigen sich andere Wege.

Rainer:   Manchmal ist ja auch genau das spannend, weil es uns auf neue Wege bringt. Zum Beispiel haben wir von jemandem Wanderaufzeichnungen zugeschickt bekommen, dessen Vater in den 50er-Jahren mehrere Berge, unter anderem den Großglockner, bestiegen hat. Das hat nicht in diese Reihe „Publizistische Kleinode“ gepasst, deshalb haben wir gesagt: Starten wir einfach eine „Sachbuch“-Reihe, wo so etwas hinein passt. So kann es sein, dass uns etwas auch ein Stück weiterbringt, Türen öffnet, an die wir bisher noch gar nicht gedacht haben. Wie auch die Idee zu den Fotoporträt-Heften. 

Oder wie vor einigen Wochen: Jemand ist mit etwas zu uns gekommen, das inhaltlich den Rahmen sprengt, weil das Manuskript über 250 Seiten hat. Das ist kein Kleinod mehr, aber vielleicht entsteht eine Reihe „Romane“, da sind wir in vielen Bereichen noch am Anfang.

Franz Josef:   Am Anfang war es schon eher so, dass wir ein bestimmtes Format haben wollten, so wie unsere ersten drei Bände. Das hat sich aber bereits mit dem zweiten Buch vom Hans, wo er Hardcover haben wollte, verändert.

Fritz:  Auf eurer Homepage ist so eine schöne Anleitung, wie der Weg sein kann, an euch heranzutreten. Wie ist es euch am liebsten? Einfach schriftlich etwas zu deponieren oder zuerst persönlichen Kontakt aufnehmen?

Angenommen, ich habe ein paar Texte, bin aber unsicher und gehemmt, die wohin zu schicken. Wie funktionieren Kontaktaufnahmen?

Franz Josef:   Es ist uns eigentlich egal, ob ein e-mail kommt oder jemand persönlich, das passiert beides.

Rainer:   Dennoch hat sich herausgestellt, dass in einem persönlichen Treffen viel mehr entstehen kann. Da werden die Autorinnen und Autoren oft auch mutiger. Persönlich, so scheint mir, kann ein Manuskript und die Idee dahinter besser vorgestellt werden.

Franz Josef:   Es ist auch ein Vorteil, dass wir dabei zu dritt sind. Wenn es einem von uns nicht so zusagt, sind zwei andere da, die vielleicht eine andere Perspektive haben, das ist gut so. Eigentlich ist es immer so, dass man damit rechnen kann, dass man eine wertschätzende Rückmeldung bekommt und vor allem überhaupt eine Rückmeldung.

Unsicherheit ist etwas, das man oft erlebt, das erlebt man bei jedem. Es geht genau um diese Schwelle: rauszugehen und mich anderen zu zeigen, in dem Fall uns. Der nächste Schritt ist nicht mehr so groß. Da braucht man ein bisschen Geld, das ist aber nicht so großartig, das sind Kostenentschädigungen.

Fritz:  Ihr habt im Herbst, im Oktober, fix einen Stand bei der „Buch Tulln“. Ist das auch eine Möglichkeit für jemanden, der noch unsicher ist, dort persönlich aufzukreuzen und so mit euch Kontakt aufzunehmen?

Franz Josef:   Unbedingt!

Rainer:  Deshalb sind wir ja auch dort. Und es gibt diesbezüglich noch einen wichtigen Punkt: Wir haben 2 Time-Slots, wo wir lesen können und nachdem wir im Herbst zwei neue AutorInnen – einen Autor und eine Autorin – haben werden, ist das für die auch eine super Möglichkeit, erstmalig ihr Buch vor Publikum zu präsentieren.

Schön ist ja als ein weiteres Angebot des Vereins, dass wir inzwischen schon ein Netzwerk von Orten und Örtlichkeiten aufgebaut haben, wo wir wissen: Da lässt es sich gut lesen – in unterschiedlichen Settings und Größendimensionen, vom kleinen Cafe bis hin zum „Freiraum“ in St.Pölten mit Platz für 130 Leute.

Fritz:   Gibt es noch etwas, das ihr mitgeben möchtet?

Franz Josef:   Den Mut zu haben, mit dem Eigenen rauszugehen. Wir wollen Mut machen, das Eigene zu zeigen.

Ich hatte da unlängst so ein Schlüsselerlebnis. Ich war gerade so am Hadern, ob es relevant ist, was wir da machen. In einem Gespräch hat dann jemand mein Büchlein erwähnt und ich habe mich dafür bedankt.

Worauf er eingehakt hat: „Nein, nein, nicht nur so nebenbei bedanken: Es ist wichtig, dass solche Bücher geschrieben werden.“ Abgesehen von meiner persönlichen Eitelkeit hat das für mich bekräftigt: Es ist wichtig und gut und man soll den Mut haben, auch wenn man glaubt, es ist nicht wichtig, dass man mit dem Eigenen rausgeht. Die berühmten, bekannten Leute machen letztlich auch nichts anderes. Die haben vielleicht das Glück, dass es eine größere Resonanz hat, aber das kann man nicht planen. Das Wichtige ist, dass man überhaupt einmal rausgeht und zeigt: Da gibt es was. 

Rainer:   Ja, Mut machen! Und Unterstützung anbieten. Auf unserer Homepage steht: „Du hast manchmal den Impuls, deine Werke zu veröffentlichen, aber weißt nicht recht, wo anfangen.“ Wir glauben, diesbezüglich nun einen Gedankengang, eine Orientierung und einen durchdachten Handlungsablauf anbieten zu können.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, welche Fragen sich anfangs bezüglich meines eigenen ersten Buches „Rebellinnen und Rebellen der Pädagogik“ aufgetan haben: In welcher Form reiche ich ein Manuskript ein? Was wäre der Vorteil, es selbst zu publizieren? Was hat es mit einer ISBN-Nummer auf sich? Was bedeutet der Begriff „Ablieferungspflicht“? Und so weiter und so fort.

Das erfordert schon einen großen organisatorischen Aufwand. Oder hinsichtlich des Druckes: Wir haben jetzt 4 verschiedene Druckereien ausprobiert und all das ergibt nun einen Erfahrungsschatz, der vielleicht jemandem, der sich überlegt, so etwas zu machen, schon eine Art Starthilfe bietet. Dann fällt dieser Schritt des Sich-Zeigens vielleicht schon leichter. So kannst du dich als Autor oder Autorin dann auch besser nur noch auf dein Geschriebenes besinnen.

Fritz:  Herzlichen Dank für das Gespräch!